Im Volksmund heißen sie Salinen, und jeder denkt dabei an prickelnd-frische Luft und den leichten Salzgeschmack auf den Lippen. Dabei sind diese Bauwerke nur - wenn auch nicht unwesentlicher - Bestandteil der Salinen oder Salzfabriken.
Die ersten Gradierwerke sollten keineswegs der Gesundheit dienen. Als Teil der Salzproduktionsstätten übernahmen sie die Aufgabe der Salzwiesen, die es im Mittelmeerraum gibt. Auf diesen Flächen verdunstet das Meerwasser, bis die Salzkonzentration so groß ist, dass die Zeit für die Salzsiedung auf ein Minimum reduziert wird.
In vielen Gebieten, wo es zwar Quellsole, aber nicht genügend Verdunstungsflächen gibt, wurde diese Erfindung aus der Lombardei in Italien errichtet. Bad Rothenfelde hat übrigens mit 10.000 qm Rieselfläche die längste Gradierwerksanlage Westeuropas.
Gradierwerke sind in Holzständerbauweise aus Fichtenholz errichtet und mit Schwarzdorn ausgefüllt. Die feine Verästelung des Schwarzdorns bewirkt einen optimalen Verdunstungsprozess. Außerdem verliert dieser selbst unter der Einwirkung der Sole seine Rinde nicht. Die bizarren Versteinerungen an den Wänden bestehen keineswegs aus Salz, sondern sind eine Ablagerung aus Eisen, Gips und Kalk. Diese Partikel hat die Sole neben Mineralstoffen und Kohlensäure von ihrem langen Weg aus 3000 m Tiefe mitgebracht. Das Abrieseln der Quellsole ist damit auch gleichzeitig ein Reinigungsprozess. Es dauert ca. 30 - 40 Jahre bis, die Steinwände so dicht werden, dass sie durch frischen Schwarzdorn ersetzt werden müssen.
Aus der Quelle oder den Brunnen kommt nun die Sole mit einem Salzgehalt von 5-6% und wird so oft an den Rieselflächen abgetröpfelt, bis dieser auf 25% oder Grad, wie es damals bezeichnet wurde, angestiegen ist. Daher stammt auch der Name Gradierwerk. Erreicht man einen höheren %- Satz, beginnt das Salz an den Dornen zu kristallisieren. In den Zeiten der Saline durfte es dazu natürlich nicht kommen, sollte doch jedes Körnchen Salz verkauft werden.
Die Bad Rothenfelder Gradierwerke werden seit der Schließung des Rothenfelder Salzwerkes in 1969 als Freiluft-Inhalatiorien genutzt. In 1989 stürzte ein Teil des Alten Gradierwerkes ein. Erst 7 Jahre nach dem Einsturz wurde ein Totalabriss und Wiederaufbau dieses Denkmals realisiert. Möglich war es nur durch zahlreiche Spenden, Fördermittel und viel Privatinitiative. 1993 wurde zu diesem Zweck der heute über 550 Mitglieder zählende "Förderverein zum Erhalt der Bad Rothenfelder Gradierwerke e. V." gegründet, der seitdem auch für Sanierungs- sowie Erhaltungsmaßnahmen Mittel sammelt.
Seit Sommer 2001 ist der Kurort Dank der Initiative und Spenden dieses Fördervereins um eine weitere Attraktion reicher. Im "Neuen Gradierwerk" ist ein 80 m langer Demonstrationsgang mit anschließender Inhalationskammer eingerichtet worden. Innen bietet sich dem Besucher ein völlig anderes Bild. Sie schauen auf die alte Balkenkonstruktion und die Reisigbündel ohne Ablagerungen. Stellenweise wird der Blick nach oben auf Jahrhunderte alte Holzröhren und Tröpfelrinnen gewährt. In der Inhalationskammer wird Sole pur vernebelt, die dann besonders Ihren Atemwegen Gutes tut. (-> siehe Demonstrationsgang)
Waren Sie auch schon einmal "über den Dächern von Bad Rothenfelde" ? Bei der Gradierwerksführung erklärt Ihnen ein Fachmann alles ganz genau über das weiße Gold und die schwarzen Dornen. Gleichzeitig haben Sie einen schönen Ausblick auf das Panorama der Parkanlagen. Führungen finden von Mai - September jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag von 15.00 - 17.00 Uhr statt.
Für Gruppenführungen gibt's Sondertermine, die Sie bitte unter Kontakt anmelden.